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Wir warten
unser ganzes Leben lang
auf bessere Tage
auf bessere Gelegenheiten
auf Veränderungen

Wir warten
unser ganzes Leben lang
auf den einen Job
auf das eine Haus
auf die eine Person

Wir warten
unser ganzes Leben lang
auf die perfekte Chance
auf den perfekten Moment
auf die richtige Entscheidung

Wir warten
und warten
und warten
und…

erkennen erst mit dem letzten Atemzug,
dass all das Warten sinnlos war.

Irgendwie ist es merkwürdig, darüber nachzudenken, dass mein Visum in vier Monaten ausläuft. Vier Monate… Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, aber wir alle wissen, dass die Zeit rennt – und ehe man sich’s versieht, sind diese vier Monate auch vorbei.

Ähnlich geht es mir, wenn ich auf die letzten 1 ½ Jahre zurückblicke. Es fühlt sich an, als wäre es erst gestern gewesen, als ich mit den Besten am Flughafen stand und mich verabschiedet habe, und doch ist seitdem so viel passiert.

Eines ist dabei aber immer wieder gleichgeblieben: Der Teilsatz „Wenn Du wieder da bist…“

„Wenn Du wieder da bist, müssen wir unbedingt zusammen feiern gehen.“
„Wenn Du wieder da bist, müssen wir einen Serienmarathon machen.“
„Wenn Du wieder da bist, wird alles wieder anders/besser.“

Ja, ich gebe zu, auch ich habe zu Beginn in vergleichbaren Fragmenten gedacht. Warum auch nicht, zu Beginn meiner Reise wusste ich ja nicht mal, ob ich es drei Monate am anderen Ende der Welt aushalten würde. Doch mit jedem Tag, jedem Monat, den ich länger blieb, haben sich diese Gedanken langsam, aber sicher aufgelöst.

Ich habe schon häufiger darübergeschrieben, dass die wohl größte treibende Kraft, die meinen Entschluss nach Australien zu gehen, in Gang gesetzt hat, das Unglücklichsein war. Und für jemanden, der jeden Tag so sehr damit zu kämpfen hat, die kleinen Monster verstummen zu lassen, die stets das Negative, das Schlechte sehen, war das nicht wirklich das perfekte Leben. Denn, natürlich, depressive Gedanken lassen sich am leichtesten besiegen, wenn man sich auf das Positive konzentriert. Quasi die Richtung bestimmt, in die das Denken gehen soll. Was aber, wenn das Schlechte überwiegt?

Oftmals erkennt man aber auch erst, was nicht wirklich gutgelaufen ist, wenn man ein bisschen Abstand gewinnt. Wenn man es von außen betrachten kann, und sich die Zeit nimmt, den Stimmen im Kopf endlich zuzuhören.

In meinem Fall war es die Tatsache, dass der Teilsatz „Wenn Du wieder da bist…“ sich für mich eigentlich anhört wie „Wenn Du wieder zu Hause bist…“ – und so schwer es mir fällt, das auszusprechen, ein Zuhause in der klischeehaften Variante gibt es für mich schon lange nicht mehr. Und das ist auch ok so, ich habe das vor Jahren akzeptiert. Aber es erklärt vielleicht, wieso mich der Satz jedes Mal zusammenzucken lässt.

Und ganz langsam, ganz leise, formte sich schließlich ein neuer Gedanke:  Was, wenn ich nicht wieder da sein werde….

Würde das einen Unterschied machen?
Würde das Freundschaften beenden?
Würde das viele Leben verändern?

Man sagt, es ist immer leichter für den, der geht. Und ja, das mag vielleicht stimmen… aber seit geraumer Zeit bin auch ich diejenige, die zurückblieb, und ich durfte feststellen, da gibt es kein „Was wäre, wenn“, da gibt es nur „So ist es!“

Und während ich erstmals seit mehreren Jahren in den letzten 8 Wochen einen so erbitternden Kampf gegen meine Monster führen musste, dass er mich nachts nicht schlafen ließ, und tagsüber so viel Kraft kostete, dass ich abends meinen Emotionen freien Lauf lassen musste und mehr als einmal nur unter Tränen eingeschlafen bin, war mein Fels in der Brandung stets da. Und da ist es egal, ob ich in Deutschland, Australien oder Timbuktu sitze.

Was ist also, wenn wir endlich aufhören zu warten? Auf das nächste Wochenende, auf das nächste Jahr, das nächstgrößerer Ereignis – und stattdessen anfangen mit der Situation so zu leben, wie sie heute, an diesem Montag, ist?

Was würde es ändern? Was würdest Du ändern? Was ändere ich?

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