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Dunkelheit zog sich über den Raum.

Sie versuchte, ihre Augen zusammenzukneifen, aber sie konnte lediglich die Umrisse erkennen. Das Geräusch von gleichmäßigem Atmen versicherte ihr, dass die Person neben ihr immer noch da war. Sie ließ sich zurück in die Kissen sinken.

Und plötzlich kam die Erinnerung zurück.

Fünf Stunden zuvor hatte sie die Tür zu ihrem Apartment geöffnet, und da stand er. Hochgewachsen, mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Sie hatten sich länger als erwartet nicht gesehen, und als sie ihn so auf der Türschwelle stehen sah, realisierte sie mit einem Mal wie sehr sie ihn vermisst hatte.
„Du bist hier?“
„Natürlich bin ich hier!“
„Du bist wirklich hier!“
„Ich hab es Dir doch gesagt…“, seine Stimme hatte einen liebevollen Klang.

Ja, er hatte es ihr gesagt. Immer und immer wieder. Und obwohl sie wusste, dass er es ihr nicht versprochen hätte, wenn er es nicht hätte einhalten können, konnte sie es jetzt, in diesem Moment, nicht wirklich glauben. Er hatte die Arme um ihre Hüften gelegt und wiegte sie sanft vor und zurück.
Sie grinste.
„Was?“, ein winziges Glucksen folgte
„Nichts.“

Doch es war nicht die Erinnerung daran, dass er endlich zurückgekommen war, die sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Es war etwas anderes gewesen. Etwas, das später in der Nacht passiert war. Er hatte sie im Arm gehalten, und sie waren gerade dabei einzuschlafen. Sie erinnerte sich, dass sie seine Körperwärme gespürt hatte, seine Stimme sanft in ihren Ohr.

Sie hatte sich an ihn gekuschelt, als es sie schließlich wie ein Schlag traf.

Es war alles so schnell passiert. Ohne Vorwarnung. Und bevor sie hätte auch nur irgendwas sagen können, hatten ihre Gedanken bereits wie wild begonnen zu kreisen. Sie hatte sich ausgerechnet, wie viel Stunden ihr mit ihm noch blieben. Hatte darüber nachgedacht, wie glücklich sie sich schätzen konnte. Sie hatte sich glücklich und zufrieden, und gleichzeitig traurig und verängstigt gefühlt. Sie hatte darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn er nicht so bald zurückkommen würde. Sie hatte all diese Gedanken zur selben Zeit gehabt, all die Gefühle auf einmal gefühlt.

Und dann war da plötzlich nichts gewesen.

Es hatte sich angefühlt als hätte jemand den Schalter umgelegt. Als ob alles auf einmal zu viel geworden ist, zu überwältigend, und die einzige Lösung scheinbar war, es abzuschalten.
Ihr Kopf war leer gewesen.

Und ihre Angst war größer geworden. Hatte sich wie eine Hand um ihren Nacken gelegt, um ihr den Atem zu nehmen. Sie hatte nach Luft geschnappt, doch sie konnte es in ihren Lungen nicht spüren. Sie hatte es erneut probiert. Wieder nichts. Langsam hatten sich ihre Augen geweitet. Und sie hatte gespürt wie die Panik in ihr hochgekommen war. Die Pause zwischen ihren Atemzügen war kürzer und kürzer geworden. Und doch hatte es sich angefühlt als würde sie nicht genug Luft kriegen.

15 Minuten lang war sie nicht in der Lage gewesen sich unter Kontrolle zu haben, und so hatte sie in seinem Arm gelegen, schluchzend versucht, die Angstattacke wegzuatmen. Tränen waren ihr die Wangen hinab geronnen.

Seine Finger hatten sie weggewischt. Er hatte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn gegeben.

Und langsam hatte sie bemerkt, wie ihr Kopf wieder anfing zu arbeiten. Die Gedanken waren zurückgekehrt, hatten die Leere gefüllt, ihr Atmen war gleichmäßiger.

Ihre Blicke hatten sich gekreuzt. Mit dünner Stimme hatte sie gesagt:
„So sieht es aus, wenn ich eine Angstattacke habe.“
„Ich weiß.“
Und das war alles, was sie gesagt hatten.

Ein letztes Mal schaute sie auf seine Seite des Bettes. Versuchte sein Gesicht in der Dunkelheit auszumachen. Sie wollte so viel sagen, wollte ihn wissen lassen, wie sehr es ihr bedeutet, dass er nicht versucht hatte, ihre Monster zu bekämpfen. Dass er nicht versucht hatte, ihr die Attacke ausreden zu wollen. Dass er einfach nur da war, als es passierte. Doch sie sagte nichts. Stattdessen kuschelte sie sich an ihn und versuchte wieder einzuschlafen.

Er spürte, wie sie wieder näher rückte. Ganz automatisch legte er einen Arm um sie. Sie hatte ihn ziemlich erschreckt im Verlauf des Abends. Er hatte es vorher nur einmal mitbekommen, jedoch nicht ansatzweise vergleichbar. Damals gab es kein blankes Entsetzen in ihren Augen, keinen zitterten Körper. Er wusste, dass es eine Menge gab, worüber sie zu reden hatten. Aber er wusste auch, dass sie noch nicht dazu bereit war. Also war alles, was er tun konnte, für sie da zu sein. Und das würde er – koste es, was es wolle.

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