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Sie saß im Nachtzug nach München, das Abteil war nur leicht erleuchtet, dafür nahm sie die Nacht viel stärker wahr. Das dunkle Schwarz, das sich über Felder und Dächer gelegt hatte und nur hin und wieder von einer Straßenlaterne unterbrochen wurde, legte sich auf ihre Seele. Und so sehr das gelbe Licht sich auch bemühte, es konnte sich gegen das Schwarz nicht durchsetzen.
Sie vernahm ein Rascheln und merkte, wie die Gestalt neben ihr langsam die Augen öffnete.
„Du bist ja noch wach“, nuschelte er.
„Kann nicht schlafen.“
„Wieso nicht?“
„Hast Du mal darüber nachgedacht, was das alles für einen Sinn ergibt? Also nicht das Leben an sich. Aber das, wie es geregelt ist. Sollten wir nicht jede Zeit nutzen und glücklich sein? Das tun, was uns ausfüllt. Eben all das, was uns jede Sekunde genießen lässt? Ist das Leben nicht dafür da, um zu lernen, zu lehren, zu erleben – aber vor allem um zu leben?“
„Ja, schon.“
„Und, wenn Du morgen sterben würdest, wärst Du glücklich mit Deinem Leben?“
„Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.“
„Ich auch nicht. Und das macht mir Angst.“
Sie ließ den Kopf gegen das Fenster sinken, sah die Welt an sich vorbeiziehen. Eine Träne löste sich und während sie das Rattern der Räder bemerkte, fragte sie sich, wann sie das letzte Mal wirklich glücklich war.

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