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Während ich auf die leere Textbox meiner WordPress-Seite starre, versuche ich herauszufinden, wie lang es nun her ist, dass ich mir das letzte Mal Zeit genommen habe, um zu Schreiben. Mehr noch, was war der Grund, dass ich nicht geschrieben habe?

Schreiben ist mein Weg, mit Veränderung umzugehen. Wenn ich das, was mir so durch den Kopf schwirrt, in Worte fasse, kann ich meine Gedanken halbwegs sortieren. Dadurch kann ich mich von Situationen distanzieren, sie sogar rational betrachten. Oftmals wird mir dann bewusst, dass manche Dinge gar nicht so schlimm sind, wie sie zunächst zu sein schienen. Oder, manchmal, ist das eben mein einziger Weg, Dinge zu akzeptieren, so wie sie sind. Zu verstehen.

In meinem letzten Blog-Beitrag habe ich versucht zu erklären, dass Musik so viel mehr für mich ist als nur ein Song oder nur ein Album. Ich habe versucht zu erklären, wieso ich diese unfassbaren Momente und Gefühle, die mir die Musik schenkt, nicht teilen kann. Als ich den Beitrag schrieb, wusste ich bereits, dass sich die dunklen Tage anbahnten. Und auch wenn ich noch so sehr versucht habe, mich zu konditionieren und auf das Gute zu konzentrieren, konnte ich es nicht stoppen.

Die Fakten akzeptieren

Im Oktober/November vergangenen Jahres hatte ich eine der schlimmsten Anxiety- und Depressions-Perioden seit langer Zeit. An manchen Tagen wollte ich mich vor den meisten Menschen einfach nur verstecken. An anderen Tagen war ich wütend auf alles und jeden, nur weil jemand beispielsweise atmete. Höhepunkt war dann jener Tag, als ich nicht mehr aus dem Bett aufstehen konnte und fast 48 Stunden am Stück schlief. Ich war einfach zu erschöpft davon, mit meinen Monstern zu kämpfen. Ich musste irgendwie wieder die Kontrolle übernehmen. Ansonsten würden sie auch den letzten Funken Glückseligkeit zerstören.

Das war der Moment, als ich mir eingestand, dass ich Hilfe brauchte. Einer meiner ersten Schritte in Situationen wie diesen ist es, jemanden anzurufen, der mir hilft, meine nächsten Schritte zu finden, mit mir die Pros und Contras abzuwägen, und ja, mich bestätigt in meinen Entscheidungen – denn auch heute noch ist das etwas, mit dem ich am meisten zu kämpfen habe. Nachdem sich das Chaos in meinem Kopf dann etwas gesetzt hat, war der nächste Schritt mir professionelle Hilfe zu suchen. Ich war schon mal in Therapie, und ich weiß, wie hilfreich es für mich ist. Ich war noch nie jemand, der seine Freunde mit reinzieht in all das Drama, das die dunklen Tage so mit sich bringen. Ich wollte einfach kein Ballast sein, und, leider, vertraue ich ihnen nicht genug, um sie in solchen Momenten bei mir zu haben. Die logische Konsequenz ist also, jemand anderen zu finden, mit dem ich reden kann.

Der letzte, und vermutlich härteste Schritt war, mir einzugestehen, dass ich mich einsam fühlte. Ich hab fantastische Freunde in Australien, und ich genieße jede Sekunde, die wir zusammen verbringen. Trotzdem, ich war an einem Punkt, an dem ich mich einsam fühlte, irgendwie verloren. Ich hatte das Gefühl, nicht wirklich einen Grund zu haben, morgens aus dem Bett aufzustehen… und ich glaube, das ist mit der schlimmste Gedanke, den man haben kann, wenn man mit Anxiety und Depressionen lebt. Denn es gibt einem das Gefühl, alles sei noch viel miserabler, es zieht einen förmlich in einen Teufelskreis voll dunkler Gedanken.

Aber wie wird man das Gefühl der Einsamkeit wieder los?

Ganz ehrlich, ich habe keinen blassen Schimmer wie ich das beantworten soll, da es für jeden anders ist. Was mich jedoch betrifft, ich wusste, ich musste einen Grund finden, der mich dazu brachte, morgens wieder aufstehen zu wollen. Und ich wusste, dass ich unfassbar gerne zum Sport gehe. Zum Glück studiere ich mit ein paar unheimlich tollen Menschen, und eine davon lud mich ein, ihr Gym auszuprobieren.
Dass ich diese Einladung angenommen habe, war vermutlich die beste Entscheidung, die ich bisher treffen durfte.
Ja, ich hatte dieses beklemmende Gefühl in der Magengrube die ersten drei Wochen, die ich hinging. Und ja, auch heute habe ich manchmal noch das Gefühl, dass sich mein Magen umdreht, wenn ich mich auf den Weg zum Gym mache, aber ich pushe mich selbst, hinzugehen. Denn ich weiß, dass ich mich dann besser fühle. Jede Session gibt mit die Möglichkeit, den Stress eines anstrengenden Tages abfallen zu lassen, meine Gedanken für eine Stunde auszuschalten und das Training einfach zu genießen.
Und als ich mich damals einschrieb und mein Coach mich fragte, was ich mir von meiner Mitgliedschaft eigentlich erwarte, wusste ich genau, was ich zu sagen hatte:

  1. Es sollte mir helfen, mit der Anxiety und den Depressionen besser umzugehen.
  2. Das war meine Gelegenheit, Gewicht abzunehmen und Muskel aufzubauen
  3. Aber vor allem wollte ich neue Menschen treffen

Und nun, nach 4 Monaten, fällt mir schließlich auf, wie wichtig diese Ziele für mich gewesen sind.
Ganz egal, wie erschöpft ich mich fühle, das Gym gibt mir Gelegenheit wieder aufzutanken. Ganz gleich, wie – entschuldigt bitte – abgefuckt mein Kopf ist, das Gym gibt mir die Möglichkeit, meinen Gedanken für einen Augenblick zu entfliehen. Und ganz gleich wie wütend ich bin – falls ich euch noch nicht von meiner Wutbewältigungsstrategie erzählt habe, werde ich das vermutlich demnächst tun -, gibt mir das Gym die Möglichkeit, all diese Gefühle loszuwerden. Vermutlich ist das ein Grund, warum ich Boxing so sehr mag!

Das Gym ist mein Happy Place!

Auch wenn das alles nicht so schwer nachzuvollziehen ist, war es ein Augenblick in den vergangenen Wochen, der mich dazu gebracht hat, die Überschrift für diesen Eintrag zu wählen: Nach vollgestopften Wochen mit Arbeit, Freunden und mir, die versucht hat, von einem Termin zum nächsten zu springen, und dabei mit knapp 6 Stunden Schlaf zu überleben, habe ich angefangen auf meine Monster zu hören, und habe festgestellt, dass diese am glücklichsten sind, wenn ich zum Gym gehe. Sie haben sich nicht beschwert, sie haben nicht dagegen angekämpft. Im Gegenteil, sie haben sogar dafür gesagt, dass ich härter trainiere, schwerere Gewichte nutze, schneller renne!

Und auf einmal war da noch etwas anderes neben der Musik, dass es so viel leichter machte, mit meinen Monstern umzugehen. Wie mir das bewusst wurde?
Ich habe angefangen, mich wohler zu fühlen mit den Menschen im Gym – vor allem mit meinem Fit Squad! Ich habe sogar angefangen, mich mit ihnen außerhalb der Sessions zu treffen. Außerdem habe ich angefangen, mehr zu lachen, nicht weil ich das Gefühl hatte, dass ich lachen musste, sondern weil ich es wollte. Ich habe auch nicht mehr versucht, Tränen zurückzuhalten, als ich an einem Morgen voller Wut am Gym angekommen bin, einfach weil ich mich in dem Moment nicht dafür geschämt habe. Aber vor allem habe ich angefangen, mich gut zu fühlen, stolz zu sein auf mich und alles, was ich bisher erreicht habe.

Es leicht, den Fokus auf all die guten Dinge, die man im Leben hat, zu verlieren. Vor allem dann, wenn man mit Anxiety, Depression und den kleinen Monstern zu kämpfen. Ich persönlich habe festgestellt, ich kann mich wieder auf die guten Dinge konzentrieren, meine glücklichen Dinge. Und so ungewöhnlich es auch scheinen mag: Ich habe es wirklich genossen, über meinen Happy Place zu schreiben.

Ist das ein Zeichen dafür, dass ich die Art und Weise, wie ich mein Leben mit meinen Monstern teile, verändere?
Vielleicht. Wer weiß.

In Monsterly Love,
L. 

 

 

 

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