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Seht ihr es kommen, wenn sich die dunklen Tage anschleichen? Wisst ihr wann, oder sollte ich besser sagen warum, sich eure Stimmung plötzlich verändert? Hat Euch das Leben mit Monstern dazu gebracht, das alles bewusster wahrzunehmen?

Ich für meinen Teil tue es. Zumindest meistens. Ich teile meine Leben nun lang genug mit meinen Monstern, um in der Lage zu sein, sie zu lesen, zu verstehen wie sie funktionieren. Und ich dachte, ich gebe Euch heute einen kleinen Einblick. Einblick, in was passiert, wenn die Anxiety so stark wird, dass mir schlecht wird. Wenn meine Gedanken sich so sehr überschlagen, dass Schlaf der einzige Weg ist, sie abzuschalten. Wenn ich anfange, jeden noch so kleinen Teil meiner Selbst in Frage zu stellen.

1 They’ll clean up the mess

Schon mal von Nesting gehört? Machen normalerweise Schwangere. An irgendeinem Punkt der Schwangerschaft fangen sie an das Haus aufzuräumen, Schränke zu sortieren und Kram auszumisten. Joa, das mach ich dann auch, sobald ich merke, dass meine Monster sich langsam aber sicher ihren Weg aus der Dunkelheit bahnen. Ich sortiere meine Kleidung, lege meine T-shirts zusammen. Ich sortiere meinen Papierkram wie Bankunterlagen und Versicherungsbriefe. Normalerweise dröhnt dazu eine meiner Lieblingsbands aus den Boxen. Warum? Ganz einfach, weil es so eine stupide und banale Aufgabe ist, dass meine Monster vor Langeweile zergehen. Sie schenken dem ganzen keine Beachtung, unterbrechen mich dabei nicht. Einfach nur, weil mein Kopf sich auf so einfache Sachen konzentrieren muss, wie beispielsweise die perfekte Art ein T-Shirt zu falten.
Und ja, ich gebe zu, das alles dient dazu, meine Monster zu ignorieren. Und es hilft. Zumindest für eine geraume Zeit.

2 How to get away with binge watching

Schuldig im Sinne der Anklage! Ich suchte mich durch US Drama Serien (vorzugsweise mit einem Hund kuschelnd auf der Couch). Kennt ihr einen besseren Weg ein sauberes Haus zu genießen?
Ich bin bekannt dafür, eine emotionale Bindung zu Charakteren aufzubauen – Filme, Bücher, sogar Sänger. Ich hab dann dieses Bild im Kopf… Ich fühle Schmerz, wenn sie Schmerz fühlen. Ich bin glücklich, wenn sie glücklich sind. Und ich kriege mein Herz gebrochen, wenn sie sterben. Wie auch immer, der Grund für das Serien-Suchten ist ein bisschen ein anderer als das Putzen. Es geht nicht darum, meine Monster abzulenken. Es geht mehr darum, ihnen zu geben, was sie wollen: Ein anderes Leben. Mein Leben mit Monstern besteht darin, dauerhaft an Entscheidungen zu zweifeln, an meinem Verhalten zu zweifeln. Ihre Stimmen in meinem Kopf sind manchmal so laut, dass ich einfach nachgebe und ihnen andere Optionen präsentieren muss. Ich lasse sie glauben, sie könnten ein anderes Leben haben.

3 Anyone can cook, but only the fearless can be great

Jeder, der mich auch nur ein bisschen kennt, weiß: Ich hasse kochen. OK, es ist vielleicht nicht unbedingt purer Hass, aber ich sehe den Sinn nicht darin. Ich liebe es zu essen, versteht mich nicht falsch. Aber Kochen ist lediglich eine Notwendigkeit für mich, um essen zu können. Das ist der Grund, warum ich augenblicklich weiß, dass meine Monster an den Hebeln sitzen, sobald ich anfange zu backen oder kochen, ohne besonderen Grund. Ich mache das dann nicht, weil ich mich danach fühle, sondern weil meine Monster das machen wollen. Es ist ihre Art, mich darauf vorzubereiten, dass die dunklen Tage bevorstehen. Und auch hier geht es nicht um Ablenkung oder ähnliches. Ich backe nicht, um sie zu ignorieren, ich backe, um meine Monster zu befriedigen. Ihnen sogenanntes Soul Food zu geben – Essen, das gut für die Seele ist. Vielleicht ist es eine Art Geschenk von mir an sie, um ihnen zu zeigen, dass ich sie schätze. Wer weiß.

4 I read the fuck out of every book I can get my hands on

Lesen war noch nie nur ein Hobby. Lesen war schon immer mein Lehrer, mein Freund, mein Liebhaber, mein Retter… Ich liebe es zu lesen. Ich liebe Bücher. Aber vor allem liebe ich, wozu Bücher mich bringen. Sie fordern mich dazu auf, mein Denken zu verändern, meine Sichtweise auf verschiedene Themen zu überdenken, mein Wahrnehmung des Konzept des Lebens zu kritisieren. Und das ist vermutlich auch der Punkt, den ich am meisten schätze am Leben mit Monstern. Wegen ihnen lese ich Bücher mit den komplexesten Themen, den verworrensten Stories. Es ist die Art und Weise, wie meine Monster denken, die mich dazu bringt, all die Bücher zu lesen, sie aufzunehmen. Und Ihr habt es vermutlich schon geahnt, es ist eine weitere Möglichkeit, sie zu befriedigen. Abzulenken von ihrer eigentlichen Aufgabe, mich in die Dunkelheit zu ziehen.

5 [Writers] suffer from two sorts of emotional pain, which is twice as much as the normal human being: the heartache of love and the heartache of books.

Zu guter Letzt bleibt nur das Schreiben.
Ja, ich habe mit doppelten Schmerz zu kämpfen. Aber es ist die Art von Schmerz, die mich stark genug macht, um zu überleben. Wenn ich anfange zu schreiben, akzeptiere ich die Tatsache, dass meine Monster mit mir sind, dass sie die Kontrolle haben. Wenn ich schreibe, fange ich an ihnen zuzuhören, gebe ich ihnen eine Stimme… Und ja, oftmals kann ich die Tränen beim Schreiben deshalb nicht zurückhalten.
Und doch ist das mein Weg mit ihnen zu kommunizieren. Mein Weg, mit ihnen zu leben.

Ich wurde schon häufiger gefragt, wieso ich nichts ändere, jetzt da ich weiß, wie sie reagieren und handeln. Und ich hab mich das so oft selbst gefragt, bis ich etwas wichtiges gelernt habe: Sie sind ein Teil von mir. Sie sind ich. Und viel wichtiger, ich bin sie. Ich bin, wer ich heute bin, wegen ihnen… und für nichts in der Welt würde ich das eintauschen wollen. Vor allem, weil sie mir eines der größten Geschenke gemacht haben: ein Schreiberling zu sein.

Da. Ich hab es gesagt. Zum ersten Mal. Ich bin ein Schreiber/Schriftsteller/Autor, wie auch immer man es nennen mag. Wir sind es.
Ich muss das für einen Augenblick sacken lassen… in der Zwischenzeit – versucht doch mal rauszufinden, wo die Überschriften herkommen. Vielleicht findet Ihr die ein oder andere Buch/Musik Inspiration.

In Monsterly Love,
L.

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