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Der ewige Kampf
Im eigenen Kopf
Zwischen Gut und Böse
Recht und Unrecht
Zwischen gut gelaunt
Und tiefdepressiv
Strengt an, fordert
Weil es scheinbar
Keine Lösung gibt
Und der Grund
Nicht  bloß liegt
Immer nur die gleichen Fragen
Ohne Antwort
Ohne Befriedigung
Die Konsequenz
Schlaflose Nächte
Furchtbare Tage
Und der Drang nach Flucht
Die ab und an sogar gelingt
Wenn leise die Musik erklingt.

Im Juli 2012 habe ich eine Entscheidung getroffen.
Eine Entscheidung, die ich bisher nur mit einigen wenigen geteilt habe.
Eine Entscheidung, ohne die ich nicht wüsste, wo ich heute wäre.
Eine Entscheidung, die mir definitiv nicht leicht gefallen ist, die aber der Auslöser dafür war, was sich in den letzten 5 Jahren alles verändert hat.

Im Juli 2012 habe ich die Entscheidung getroffen, zum ersten Mal über jene Tage zu reden, an denen ich nicht aus dem Bett komme, an denen ich nicht mal den Rollladen hochmachen kann. Ich habe zum ersten Mal darüber geredet, dass ich mich manchmal antriebslos, lustlos und wirklich einsam fühle, weil ich nicht weiß, mit wem ich über all die dunklen Gedanken sprechen soll. Eben über jene Tage, an denen die kleinen Monster in meinem Kopf immer lauter werden und mir jeglichen positiven Gedanken aussaugen.

Im Juli 2012 habe ich die Entscheidung getroffen, das Wort „Depression“ zum ersten Mal auszusprechen und mir Hilfe zu suchen…

Was folgte, waren 2 ½ Jahre Therapie. In diesen habe ich gelernt, mit den schwarzen Tagen besser umzugehen, sie als Teil meines Lebens zu akzeptieren. Habe gelernt, dass es durchaus verstanden wird, was in mir vorgeht, dass ich mit diesen Phasen eben nicht alleine bin. Aber vor allem habe ich gelernt, wie wichtig es ist, darüber zu sprechen, diese kleinen Monster beim Namen zu nennen und sich nicht hinter ihnen zu verstecken, sie sogar zu verleugnen.

Doch so einfach diese Zeilen jetzt auch klingen mögen, die ersten Jahre waren harte Arbeit. Ich wurde regelmäßig von meinen Gefühlen übermannt, musste gegen alte Gewohnheiten ankämpfen und neue Stärken entwickeln. Ich habe Phobien bekämpft, Gefühle hinterfragt und gelernt, die Wut und Frustrationen, die sich jahrelang aufgestaut hatten, kontrolliert rauszulassen. Ich habe erkennen müssen, wie hart es ist „Nein“ zu sagen und seine eigenen Bedürfnisse hin und wieder an erste Stelle zu setzen. Ich habe angefangen, Verabredungen abzusagen, ohne Lügen zu erfinden, sondern ehrlich zugegeben, dass mir an jenen Tagen einfach nicht danach ist, das Haus zu verlassen. Und ich habe mich für ein Tattoo entschieden, um mir den eigenen Rücken zu stärken.

Und jetzt, fünf Jahre später, habe ich das erreicht, was ich mir mit der damaligen Entscheidung als Ziel gesetzt hatte – ich kann mein Leben endlich wieder genießen! Ich bin glücklich, ich bin stolz auf mich, ich bin zufrieden.  Obwohl – oder vielleicht auch gerade weil – die dunklen Tage immer noch ein stetiger Begleiter sind, ebenso wie die kleinen Monster, deren Stimmen mal lauter, mal leiser sind… einzig meine Einstellung ihnen gegenüber hat sich geändert. Und heute, dem Wochenende, an dem ich feiere, dass ich vor einem Jahr in Australien angekommen bin, möchte ich den Mut aufbringen, darüber zu reden. Denn Australien war – ohne, dass ich es anfangs wirklich wusste – mein letzter großer Schritt… weg vom Abgrund, weg von der Dunkelheit.

Das andere Ende der Welt sollte mir noch einmal Abstand geben. Abstand, um die vergangenen Jahre zu reflektieren und herauszufinden, was und wer mir wirklich wichtig ist. Abstand, um mich voll und ganz selbst zu finden und weiterzuentwickeln.

Und so sehr ich im Jahr 2012 vor meiner Therapie noch befürchtet habe, mich selbst zu verlieren – schließlich waren jene dunklen Tage stets die Tage, an denen ich am kreativsten war und Musik noch intensiver als sonst genossen habe – musste ich letzten Endes erkennen, dass das Gegenteil der Fall war.

Durch jene Entscheidung vor fünf Jahren, habe ich die Fähigkeit zurückgewonnen, die mir abhanden gekommen war: einfach Ich zu sein.

 

 

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