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“Maybe there aren’t any such things as good friends or bad friends – maybe there are just friends, people who stand by you when you’re hurt and who help you feel not so lonely. Maybe they’re always worth being scared for, and hoping for, and living for. Maybe worth dying for too, if that’s what has to be. No good friends. No bad friends. Only people you want, need to be with; people who build their houses in your heart.” 

Stephen King – IT

In ungefähr einer Woche jährt sich mein Abschied aus meinem alten Alltag zum ersten Mal. Und was soll ich sagen, ich bin in den letzten 12 Monaten an mir gewachsen, habe Grenzen überwunden, alte Gewohnheiten über Bord geworfen, neue Landschaften erkundet und die ein oder andere unerwartete Herausforderung angenommen. Aber vor allem durfte ich erfahren, das wahre Freundschaft keine Entfernung kennt! Ich gebe zu, dass ich in den vergangenen Jahren von Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen Abschied genommen habe… manchmal, weil sich die Interessen verschoben haben, weil man sich aus den Augen verloren hat, weil ich verletzt war und nicht verzeihen konnte, weil ich nicht länger die Kraft hatte, anderen immer wieder aufzuhelfen, weil ich angefangen habe, meinen eigenen Weg zu gehen. Geblieben sind eine Handvoll Menschen, die ich stolz und mit einem Lächeln im Gesicht meine Freunde nennen darf.

Umso schwieriger war für mich der Schritt, sie vor einem Jahr zurückzulassen. Oftmals in Situationen, in denen ich ihnen gerne zur Seite gestanden hätte, oder die ich gerne mit ihnen erlebt hätte – Jobinterviews, neue Beziehungen, Alltagstrott, Gefühlskrisen, Depressionen, Frustrationen, Hochzeiten, runde Geburtstage, Trennungen, Kindergeburtstage… oder eben das Leben. Und zu Beginn hatte ich den naiven Gedanken, dass es ja schon nicht so schlimm sei. Ich bin ja vielleicht nur für ein paar Monate weg, was soll sich da schon groß ändern?

Ich war egoistisch genug zu glauben, dass es an der Zeit war, dass mein Leben endlich das Aufregende sein würde, dass ich stetig etwas zu erzählen hätte. Und zu Beginn war das vielleicht auch noch so, immerhin war Australien mehr als aufregend und neu! Doch schon bald stellte sich auch hier ein Alltag ein, ich fuhr mit meinem Auto von einer Stadt zur anderen, sah einen Strand nach dem anderen, fing an zu arbeiten, ging wieder auf Reisen, suchte erneut einen Job, fiel auf die Nase und fand schließlich die vermutlich beste Jobmöglichkeit. Und jetzt bin ich seit Mai in Brisbane am arbeiten und beginne bereits, meinen letzten Teil dieses Abenteuers (inklusive Heimreise) zu planen…

Und ganz plötzlich bin es nicht mehr ich, die große Neuigkeiten zu berichten hat – und ich weiß nicht genau, wie ich es erklären soll, aber ich war so unfassbar dankbar dafür! Mit einem Mal hatte ich das Gefühl, dass ich mich nicht mehr beweisen muss, dass ich nicht unbedingt etwas erleben muss. Im Gegenteil, ich habe sogar erkannt, dass auch andere Menschen einen Schritt aus ihrer Komfortzone gewagt haben, sich in ein neues Abenteuer stürzen werden.

Auslöser für diese Gedanken war eine Nachricht, die nicht nur das Leben jener Person, sondern definitiv auch meines verändern wird. Seit nunmehr fast 15 Jahren teilen wir die Höhen und Tiefen des Alltags, den Unfug und Konzerte, aber vor allem eine Freundschaft, die für mich stets eine unfassbare Stütze war und immer noch ist – auf so vielen verschiedenen Ebenen! Und auch, wenn ein (durchaus gesunder und verdienter!) Egoismus dazu führt, dass wir uns vermutlich gerade verpassen, bin ich so unfassbar stolz und freue mich so unendlich, dass dieser wunderbare Mensch eine solche Entscheidung getroffen hat.

So sehr ich also für all meine Freunde gerne im letzten Jahr dagewesen wäre, so größer ist dann doch die Erkenntnis, dass, ganz gleich, wo man sich gerade befindet – ob im Urlaub, im Auslandsjahr, dauerhaft im Ausland, im Alltagsstress oder in seinem ganz eigenen Gedankenparadies -, immer noch genügend Zeit und Raum für die Freundschaft bleibt!

Ich für meinen Teil mache mir auch hier Sorgen um Euch, freue mich für jeden Einzelnen für Euch, und teile sowohl mein als auch Euer Leben mit Euch. Denn ihr seid die Menschen, die ich gerne um mich habe, die ich manchmal auch um mich brauche, – wo auch immer das in Zukunft auch sein wird.

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