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Montag, 15. Oktober 2018

Gestern Abend habe ich einen Post gesehen, in dem jemand davon erzählt hat, dass sie sich als Ziel gesetzt hatte, 10 Minuten jeden Tag zu schreiben. Und irgendwie gefiel mir die Idee. Ich liebe es zu schreiben, und trotzdem fällt es mir manchmal unheimlich schwer. Nicht nur, weil die Texte, die ich schreibe, recht persönlich sind, sondern auch, weil ich oftmals in der richtigen Stimmung sein muss, um etwas zu Papier zu bringen. Ich korrigiere auch nicht… die meisten meiner Texte sind original so wie ich sie geschrieben habe, wenn ich sie veröffentliche. Ich schreibe, und dann bleibt das auch so. Das Einzige, was ich im Nachhinein noch verändere, sind Schreibfehler, da diese meist aus Hast geschehen.

Mir wurde mal gesagt, dass ich anfangen solle, meine Texte zu überarbeiten um von ihnen zu lernen, um mich zu verbessern. Und vielleicht hat diese Person auch vollkommen recht. Denn darum geht es doch eigentlich, oder? Von seinen Fehlern zu lernen? Eben wie im ganz normalen Leben auch. Und da sich die meisten meiner Texte sowieso um realitätsnahe Themen drehen, sollte ich mir den Gedanken vielleicht zu Herzen nehmen.

Und doch bringt dieser Gedanke eine der Fragen auf, von der meine Monster zehren: Was wäre wenn? Was wäre, wenn ich das wirklich tue? Würde es mein Schreiben verändern? Und falls ja, wie würde es sich auf mein Schreiben auswirken? Würde ich es verändern? Will ich es verändern?

Ich werde auf diese Fragen keine Antwort finden, ohne es auszuprobieren. Und tief drinnen ist mir auch bewusst, dass Veränderung gut ist, dass Veränderung unabdingbar ist. Und doch kann ich nicht anders, als mir jeglichen negativen Ausgang zuerst vorzustellen, anstatt daran zu denken, was ich alles Gutes daraus ziehen könnte.

Ich glaube, der Grund liegt darin, dass ich es so gewohnt bin, dass schlechte Dinge passieren.

Ist das der Grund, wieso ich es noch nicht versucht habe?

Nicht nur wegen des Negativen, das die Veränderung mit sich ziehen könnte, an sich, aber weil ich eben besser mit schlechten Dingen klarkomme.
Macht mir eigentlich der Gedanke Angst, dass das Verbessern meines Schreibens es eventuell wirklich besser machen könnte? Macht mir der Gedanke Angst, dass ich etwas produzieren könnte, dass anders ist, dass außergewöhnlich ist? Etwas, auf das ich stolz sein könnte?

Ich glaube das wirklich.

Ist das nicht eine Tragödie?

Meine persönliche Poetentragödie.


Dienstag, 16. Oktober 2018

Das ist also Tag zwei, und ich habe es geschafft, mich an den Laptop zu setzen. Nicht, dass ich dran gezweifelt hätte, aber ich habe gestern ja schon erwähnt, dass das Schreiben ein recht persönlicher Prozess ist. Mehr noch, ein Heilungsprozess. Ich schreibe nicht, wenn ich in Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung bin. Ok, vielleicht doch, aber dann geht es um Musik, Filme und Bücher.

Ich würde mal sagen, das ist in etwas das, was Menschen manisch-depressiv nennen würden. Auf der einen Seite fühlt man sich euphorisch, könnte die ganze Welt umarmen. Und auf der anderen Seite hat man mit der Tatsache zu kämpfen, dass das Leben so oder so keinen Sinn ergibt.

Ich möchte euch gerne von diesen Gefühlen erzählen, wenn ich das erste Mal einen Song höre, wenn ich einen Film sehe, der mich zum Weinen bringt, oder wenn ein Buch lese und mich so unfassbar mit dem Hauptcharakter identifizieren kann. Ich glaube wirklich, dass eine Menge Leute ähnliche Gefühle kennen, und doch glaube ich, dass nur ein paar Wenige am Ende wirklich wissen, worüber ich rede. Wie es sich anfühlt, für einen kurzen Augenblick der Realität zu entfliehen. Dem eigenen Kopf nur kurz zu entfliehen.

Und um ehrlich zu sein, ich glaube, dass ist exakt, wieso ich diese Dinge so liebe.
Um meinem Kopf zu entkommen, meinen Monstern.

Vor allem das Musikhören befriedigt sie, besänftigt sie.
Eben genau so wie es in einem Zitat heißt, dass ich vor Jahren mal im Internet gefunden habe:

„Die Musik muss laut sein, damit wir nicht hören, wie die Welt zusammenbricht.“

Je lauter die Musik ist, desto mehr verstummen sie.
Vielleicht ist das ein Grund, wieso ich auf laute Schreimusik stehe.

(Wie auch immer, es ist jedenfalls nicht der einzige Grund, aber das ist etwas, worüber ich ein anderes Mal schreiben möchte, ansonsten komme ich zu spät zu meinem ersten Tag am College!)


Mittwoch, 17. Oktober 2018

Wenn wir es schon von Aufarbeitung haben… es ist Tag 3, und ich habe bereits das Gefühl, dass diese Challenge mir zu Kopf steigt. Ich bin erschöpft, meine Monster werden mit all jenen Gedanken gefüttert, die mir durch den Kopf geistern, machen sie stärker, und doch bin ich noch nicht bereit, alles auf Papier zu bringen.

Die Gedanken kreisen heute vor allem um den Ton meines Schreibens.

Als ich In Monsterly Love im vergangenen Juni ins Leben gerufen habe, wollte ich mich darauf konzentrieren, über die mentale Gesundheit zu schreiben. Es ist immerhin ein wichtiger Grund, warum ich angefangen habe zu schreiben. Das Schreiben ist mein Weg, meine Gedanken auszuformulieren, (irgendwie) zu verstehen, was in meinem Kopf vorgeht, um das Chaos dort zu beseitigen.

Es ist nicht schön, und es ist definitiv nicht alles Gold was glänzt. Es ist das Leben. Leben mit Depression. Und das stinkt! Ganz schön. Ich habe Gedichte oder Kurztexte über Charaktere geschrieben, die mit dem Rücken an der Wand standen, die versucht haben, vor einem Leben davonzulaufen, in dem sie gefangen waren, die sich am Ende am Rande einer Klippe haben stehen sehen. Oftmals erst dann realisierend, dass es manchmal nur einen kleinen Schritt vorwärts brauchte, um dem Ganzen ein Ende zu setzen.

Ein paar dieser Texte haben die Charaktere buchstäblich über den Rand der Klippe gehen lassen. Das war der Moment, wenn ich normalerweise gefragt wurde: „Der Text klingt aber sehr selbstmordgefährdet; muss ich mir Sorgen machen?“

Hmpf, ich bin immer noch hier. Ich nehme mal an, ihr musstet euch keine Sorgen machen. Ob ihr es dennoch irgendwann müsst? Ich kann es nicht versprechen… jeder Tag ist ein einzelner Kampf, das Konzept Leben in jeglicher Hinsicht zu akzeptieren. Doch jetzt gerade, in diesem Moment, hilft das Schreiben. Musik sogar noch mehr.

Die viel wichtigere Frage ist doch:

Könnt ihr nicht sehen, dass das so viel mehr ist als nur ein Text über jemanden, der sich das Leben nimmt, in dem er von der Klippe springt?

An dieser Stelle möchte ich einen letzten Gedanken ansprechen… wenn Stephen King sein neues Buch vorstellt, überlegt ihr euch dann auch, ob er gerade daran denkt, seinen Nachbarn auf brutale Arte und Weise abzuschlachten? Ich denke nicht.


Donnerstag, 18. Oktober, 2018

Ich habe ein Monster erschaffen. Ok, nicht wirklich erschaffen, sie waren ja schon längst da. Aber ich habe sie gefüttert, sie genährt, sie stärker und stärker gemacht.

Diese Challenge ist ermüdend. Ich kann nicht aufhören zu schreiben. Und auch wenn das das ist, worum es bei dieser Challenge geht – zu schreiben, wann immer man vor dem Laptop oder einem Stück Papier sitzt –, stürzt es mich in ein Gefühlschaos. Ich will dennoch versuchen, es in Worte zu packen.

Nachdem ich gestern versucht hatte, jemanden das Chaos in meinem Kopf zu erklären – ok, es war mehr so, dass ich einen riesen Monolog getextet habe (was ich recht häufig mache: Ich texte meinen Besten, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten, da ich es eigentlich nur mache, um meine eigenen Gedanken in Worte zu fassen; es ist mehr eine Art Selbstgespräch, ohne wirklich nur mit mir selbst zu sprechen) -, konnte ich nicht aufhören zu schreiben. Ich schrieb, während ich im Zug auf dem Weg zum College war, ich schrieb eine weitere Mail an eine Freundin, und ich schrieb einen Kurztext innerhalb von 20 Minuten als ich Menschen am Bahnsteig beobachtet habe.

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, worüber ich mich eigentlich beklage. Ist es nicht eines jeden Autors/Schreibers Traum, immer und überall in der Lage zu sein, zu schreiben, ohne Schreibblockaden zu haben?

Hmpf, ja, ist es. Aber ich sagte ja bereits, dass Schreiben mein persönlicher Heilungsprozess ist. Ich muss mit Depressionen umgehen können, mit Anxiety/Beklommenheit, und sogar mit einer Art Panikstörung. Eben all jene kleinen, liebevollen Worte, mit denen Menschen sich selbst beschreiben, und doch ist jeder anders. Das sind lediglich Beschreibungen, die helfen können, zu verstehen…

Ich habe mein erstes Tagebuch ungefähr mit 9 angefangen zu schreiben. Ich erinnere mich, dass ich über Sachen geschrieben habe, die ich hier nicht veröffentliche möchte, die mich aber unfassbar traurig machen, auch jetzt noch, 20 Jahre später. Ich habe meine erste Kurzgeschichte geschrieben, als ich ungefähr 11 war – über ein Mädchen, das auf einer Farm lebte, mit einer Familie, die nicht ihre eigene war, und lediglich ihrem Pferd vertraute. Einer meiner ersten Poesietexte ist ungefähr zur gleichen Zeit erstanden. Und das Schreiben blieb. Ich schrieb, wenn ich nicht lesen oder Fernsehen wollte. Ich schrieb, wenn ich zur Schule oder Uni pendelte. Ich schrieb, wenn ich der Realität entfliehen wollte. Und irgendwann realisierte ich, dass ich vor allem dann schrieb, wenn ich mich alleingelassen fühlte, wenn ich depressiv war. Ich schrieb, wenn ich niemanden zum Reden hatte.
Und das war/ist so ziemlich immer dann, wenn meine Monster die Zügel in der Hand haben.

Wenn ich die Phrase ‚Ich war nie jemand, der über sein Leben mit Depression geredet hat‘ benutze, verwende ich nicht irgendein schlechtes Zitat. Ich war nie, bin nicht, und werde nie so jemand sein… Ich habe gelernt, damit alleine umzugehen, und ich glaube nicht, dass sich das jemals ändern wird.

Aber ich bin gut darin, es aufzuschreiben – das ist meine Überlebensstrategie, meine Therapie.

Und das ist, was hier gerade passiert. Mit jedem Tag dieser Challenge tauche ich tiefer in mein Innerstes ein. Kratze an den Wänden, die ich seit einer Ewigkeit nicht mehr angefasst habe. Und das ist anstrengend, aber bevor das hier noch Überhand gewinnt, möchte ich noch eine Kleinigkeit erwähnen – um es vielleicht ein bisschen verständlicher zu machen:

Dachte ich zu Beginn dieser Challenge noch, dass die 10 Tage ziemlich interessant werden, möchte ich jetzt eine Prognose abgeben: Das Schreiben wird mich langsam aber sicher in meine dunklen Tage drücken. Ich kann das fühlen.

Ich bin müde, ich kämpfe mit Kopfschmerzen, ich bin hungrig, aber ich muss essen. Ich fange an, den Sinn von Kochen, Trinken, Duschen zu hinterfragen… und obwohl ich das alles noch tue, ist es nur eine Frage der Zeit. Ich habe sogar angefangen, bestimmte Songs von The Used zu hören. Songs, die ich euch nicht verraten werde, die aber mein Licht am Ende des Tunnels sind.

Ihr fragt euch jetzt vielleicht: Wenn sie das alles weiß, wieso kämpft sie nicht dagegen an? Wieso tut sie nichts dagegen?

Zurecht, aber die Wahrheit ist: Es macht keinen Unterschied. Wenn ich jetzt dagegen ankämpfe, wird es vielleicht nicht morgen passieren, vielleicht nicht nächste Woche… aber es wird mit Sicherheit irgendwann geschehen. Doch die Tatsache, dass ich mir all dieser kleinen Anzeichen bewusst bin, hilft mir, durchzuhalten. Und ich glaube, das ist das eigentlich Wichtige: Zu wissen, wie man damit umgeht, nicht wie man es bekämpft.

Denn das ist mein Leben, das sind meine Monster, und sie werden immer ein Teil meines Lebens sein.


Freitag, 19. Oktober 2018

Es ist 18.30 Uhr an einem Freitag, ich bin alleine zu Hause und ich bin dankbar dafür. Ich bin immer noch nicht in Stimmung für Menschen, für Lachen, für Small-Talk. Ich bin nicht mal in der Stimmung zu lesen, Fern zu sehen oder mich anderweitig abzulenken.

Es ist Tag 5 der Challenge, und ich bin stolz auf mich, (das aufzuschreiben hat tatsächlich eine halbe Minute gedauert… nur so als Info), dass ich dem ganzen immer noch treu geblieben bin. Nichtdestotrotz fällt es mir heute besonders schwer, etwas zu finden, über das ich schreiben kann. Nicht, dass ich euch nichts zu erzählen hätte, aber ich weiß nicht wie.

Mir kreisen ein paar Gedanken durch den Kopf, die ich wirklich gerne niederschreiben würde. Und doch ist es dafür noch zu früh. Ich gehe mal davon aus, dass ich noch nicht genügend Zeit hatte, darüber nachzudenken (es zu überanalysieren?). Stattdessen habe ich mich mit sinnlosen Dingen abgelenkt, wie Wäsche waschen, Führjahrsputz, meinen Kleiderschrank aufgeräumt. Eben all diese Dinge, die mir helfen, mich von meinem eigenen Kopf abzulenken. Und das ist, was normalerweise ein oder zwei Tage vor dem großen Zusammenbruch passiert.

Also ja, das war’s für heute. Heute will ich meine 10 Minuten nicht dafür nutzen, vor dem Laptop zu sitzen, auf eine leere Seite zu starren und darauf zu warten, dass sich Worte formen. Aber ich wollte es wenigstens versucht haben.

Das hier bin ich, in der Hälfte angekommen. Und ich gehe einen Schritt zurück, verkrieche mich in meinem Schneckenhaus und versuche rauszufinden, worum es hier eigentlich geht.


Samstag, 20. Oktober 2018

Ich war mir nicht sicher, ob ich heute wirklich schreiben wollte. Ok, um ehrlich zu sein, ich habe alles versucht, um es zu vermeiden… aber ich glaube das ist es, worauf es bei dieser Challenge ankommt. Sich selbst zu herauszufordern!

Während der letzten Tage konnte ich fühlen, wie die Monster nach und nach dabei waren, die Kontrolle zu übernehmen. Sie haben versucht, die Mauer zu überqueren, die ich sie in Schach halten soll. Und gestern Abend ist es ihnen schließlich gelungen. Ich glaube, deshalb ist es jetzt an der Zeit, darüber zu reden, was eigentlich passiert ist…

Ich habe zurzeit mit so einigen Dingen zu kämpfen. Zum Beispiel, weil ich wieder zur Schule gehe, und allerlei Ängste habe: Angst, nicht genug Erfahrung zu haben. Angst, nicht gut genug zu sein, nicht intelligent genug. Ich habe mit der Tatsache zu kämpfen, dass ich mich irgendwie finanziell über Wasser halten muss. Und ich muss irgendwie einen Job finden, in dem Bereich, in dem ich studiere – und auch hier frage ich mich: Bin ich gut genug, qualifiziert genug?

Es ist unfassbar schwierig für mich, stolz auf das zu sein, was ich bisher erreicht habe, auf das, was ich bin. Ich glaube, das liegt an der fehlenden Anerkennung in meinem Leben. Ich wollte immer wahrgenommen werden, und wurde doch nur als Selbstverständlichkeit angesehen. Ich arbeite hart daran, das zu ändern, aber ich muss mich regelmäßig daran erinnern, dass es ok ist, stolz zu sein, dass es was Gutes ist.

Und gerade weil ich so sehr zweifle, bringt es mich dazu, oben genannte Dinge zu überanalysieren. Was, wenn ich keinen Job finde? Was, wenn ich nicht genug bezahlt bekomme? Was, wenn ich meine Zeit verschwende?

Es ist nicht so, dass ich alle diese Sachen aus einem negativen Blickwinkel betrachten will, ich kann einfach nicht anders. Ich analysiere jegliche negative Möglichkeit. Vermutlich, weil ich es einfach gewohnt bin, es ist der natürliche Verlauf der Dinge für mich. Ein Beispiel: Als ich mein erstes Tattoo bekommen habe, wurde es unfassbar verhunzt. Ich habe mir wochenlang heimlich die Augen ausgeheult, so getan, als wäre es ja gar nicht so schlimm. Es hat mich Jahre gekostet, damit Frieden zu schließen. Ich habe es immer noch, es sieht auch immer noch komisch aus. Aber es steht für mein Leben: Es muss erst fürchterlich schieflaufen, bevor etwas Gutes daraus entstehen kann.

Ich weiß – von einem logischen Standpunkt aus –, dass alle diese Gedanken nur in meinem Kopf sind, und dass es irgendwie schon werden wird. In ein, zwei Jahren werde ich vermutlich sogar darüber lachen und mich fragen, wie ich mir nur so habe den Kopf darüber zerbrechen können. Und doch kann ich nicht anders.

Und dieser Teufelskreis, gefangen in meinem eigenen Kopf, macht mich beklommen, löst Kopfschmerzen aus. Und auch wenn ich weiß, dass all das lediglich ein Zeichen dafür ist, dass meine Monster allmählich aus dem Schlaf erwachen, versuche ich die Gedanken wegzuschieben. Ich fange dann meistens an, Hausarbeiten zu erledigen. Sinnloses, dumme Hausarbeiten. Um mich zu beschäftigen, um mich vom Überanalysieren abzulenken. Warum glaubt ihr wohl, sagt man, dass Sport gut für die mentale Gesundheit ist? Man hört auf, sich auf den eigenen Kopf zu konzentrieren, man fokussiert sich auf etwas anderes. Und wie sonst soll man seinem eigenen Kopf entfliehen, wenn nicht durch das Fokussieren auf andere Dinge… es gibt keinen anderen Weg.

Wie auch immer, nachdem ich den gestrigen Tag mit all diesen Dingen verschwendet habe, habe ich am Ende doch noch mit einer Person gesprochen, die ich unfassbar schätze. Und ich habe festgestellt, dass egal, wie sehr Dich jemand kennt, egal, wie sehr Dich jemand liebt, egal, wie sehr jemand versucht, Dich zu verstehen… man kann es nicht. Andere Menschen sind nur bis zu einem bestimmten Punkt, in der Lage, nachzuvollziehen. Man ist – wenn man diese Kämpfe mit den eigenen Gedanken ausfechten muss – damit allein. Und ich glaube, das ist einer der wichtigsten Punkte (vor allem, weil ich schon so oft gehört habe, dass ich ja jemanden zum Reden hätte): Wenn ich einmal in meinen dunklen Tagen versinke, dann fühle ich mich unfassbar alleingelassen. Ich fühle mich, als wäre da niemand, mit dem ich reden kann, niemand, der mich lesen kann wie ein Buch, der mich versteht. Und wie auch, wenn ich mich die meiste Zeit nicht mal selbst verstehe?

Das ist der Grund, wieso ich nicht nach Hilfe frage, wenn meine Monster die Kontrolle übernehmen. Das, und die Tatsache, dass ich gelernt habe, alleine damit umzugehen.

Der Abend hat damit geendet, dass ich mich in den Schlaf geweint habe. Denn als ich irgendwann aufgehört habe, mich abzulenken, waren meine Monster sofort zur Stelle. Ich habe auch nicht gut geschlafen, bin mit Bauchschmerzen aufgewacht. Mein ganzer Körper versucht mir zu sagen, dass etwas nicht stimmt. Und ich kann das fühlen, ich kann die Zeichen sehen. Und ich weiß, dass ist noch längst nicht alles. Da kommt noch mehr…

Ich habe meinen Monstern nur noch nicht erlaubt, das Ruder komplett in die Hand zu nehmen. Ich versuche immer noch, mich zu beschützen, denn warum auch immer, aber es fühlt sich an, als wäre etwas Großes in Anmarsch. Die Frage ist nur, wann?

(An dieser Stelle will ich aufhören… Ich bin schon längst über die 10 Minuten hinaus, und ich könnte immer noch mehr schreiben, aber ich möchte nicht. Zum einen, weil meine Monster und ich über Dinge streiten, über die ich nicht reden möchte. Zum anderen, weil es Dinge gibt, über die ich gerne schreiben würde, die mich aber zu sehr aufwühlen würden, und ich muss versuchen zu schlafen. Ich muss meinen Kopf eine Pause gönnen… oder es zumindest versuchen!)


Sonntag, 21. Oktober 2018

Ich komme gerade von einem Treffen mit einer Freundin zurück… und ich bin irgendwie guter Stimmung. Ich habe es wirklich genossen, mit ihr Zeit zu verbringen. Wir haben über die Arbeit geredet, über das Leben, unser Wohnsituation, das Sozialleben. Eben über all jene Dinge, über die man so spricht, wenn man sich länger nicht gesehen hat. Es war gut, vor allem, weil wir uns an Southbank getroffen habe, eine Gegend in Brisbane, die ich abgrundtief verehre. Es ist direkt am Fluss, man ist also in der Lage gemütlich am Wasser entlang zu schlendern. Und ich liebe das. Darüber hinaus sieht es dort jedes Mal anders aus, ich möchte mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass es von Zeit zu Zeit magisch aussieht.

Ich schätze mich wirklich glücklich, dass ich hier in Brisbane sein darf. Ich habe hart dafür gearbeitet, und ich meine damit nicht vom Job her. Ich habe hart daran gearbeitet, über meinen Schatten zu springen, mein altes Leben zu verlassen, und hierher zu kommen. Und an einem Abend wie heute, bin ich dankbar, aber vor allem, stolz. Stolz, dass ich es bis hierher geschafft habe, stolz, dass ich immer noch hier bin!

Ich habe immer noch damit zu kämpfen, die Nächte durchzuschlafen, ich habe auch immer noch Probleme überhaupt erst einzuschlafen. Die Gedanken kreisen stets. Gedanken, die mein Herz schneller schlagen lassen, Gedanken, die meinen Atem schneller werden lassen. Gedanken, die mich mit Leichtigkeit in eine Panikattacke führen könnten.

Weil ich heute doch etwas müde bin, möchte ich es dabei belassen. Morgen habe ich den Tag frei und Zeit, ins Detail zu gehen. Und mit Zeit meine ich nicht die eigentliche Zeit. Ich meine damit, dass wenn ich mir erlaube, darüber zu schreiben, was die letzten Tage vorgefallen ist, ich mich öffne, an den Wänden kratze. Und ich weiß, dass das in Tränen enden wird. Das ist also nichts, was man schnell-schnell abarbeiten möchte, und vor allem nichts, was man jemanden aufbürden möchte an einem Sonntagnachmittag.

Ihr müsst warten. Genau wie ich.


Montag, 22. Oktober 2018

Das erste Mal bin ich um Mitternacht aufgewacht. Ich habe mich augenblicklich traurig gefühlt, hatte ein schweres Herz, und dennoch habe ich versucht, es zunächst zu ignorieren und wieder schlafen zu gehen. Ist mir auch irgendwie gelungen. Bis 4 Uhr morgens. Ich war erneut hellwach. Und als ich so im Bett lag, der Stille des frühen australischen Morgen gelauscht habe, gegen den Kopfschmerz ankämpfend, wollte ich nicht aufstehen. Ich wollte hierbleiben, für immer. Ich konnte nicht aufstehen. Ich hätte so viele Dinge tun können: Den Sonnenaufgang sehen, Sport machen, so lange es noch kühler ist, ein Buch lesen, diesen Text schreiben, studieren, eine Serie schauen, Musik hören. Aber ich konnte mich nicht bewegen. Ich starrte gegen die Wand, die Beine bis zum Bauch gezogen, die Arme vor der Brust gekreuzt. Ich fühlte mich wie benommen. Und auch jetzt noch, während ich diese Zeilen verfasse, kann ich die Tränen nicht zurückhalten. (Hab’s doch gesagt…)

Ich will versuchen, in Worte zu fassen, was zu diesem Moment geführt hat.

Ich habe erwähnt, dass ich so unfassbar viele Gedanken durch meinen Kopf rasen habe, über die Arbeit, das College, Beziehungen, Freunde, Familie, das Leben. Das bringt mich dazu, zu überanalysieren, in jeder freien Sekunde. Wenn es keinen Lärm von außen gibt – wenn ich nicht abgelenkt bin von der Arbeit, Hausarbeit, Einkaufen, dem Sozialleben –, fange ich an, über alles nachzudenken. Und ich habe Euch bereits gesagt, dass die meisten dieser Gedanken dann alles andere als glücklich/positiv sind. Ich kann es nicht ändern, aber bevor ich mir vorstelle, dass ich doch diesen einen Job, diese eine Chance in Hunderten, erhalte, glaube ich, dass ich es sowieso nicht kriege. Stellt euch vor, ihr würdet eine Münze werfen: Jemand, der unbedingt Kopf möchte, denkt auch die ganze Zeit, dass es Kopf wird, während ich von Anfang an weiß, dass es sowieso Zahl wird. Es ist eine 50/50 Chance, beide Möglichkeiten sind gleich wahrscheinlich. Und doch funktioniert mein Kopf nicht so.

Und weil ich gegen diese Gedanken ankämpfen möchte, weil es zu anstrengend ist, sich mit ihnen zu beschäftigen, lenke ich mich ab. Eine der größten Ablenkungen ist es, mich unter Leute zu begeben. Allerdings Menschen, denen ich nicht so nahe bin. Denn dann kann ich meine Maske aufsetzen, lachen, den Tag genießen, und meiner Selbst für einen Augenblick entfliehen. Wenn ich jedoch Zeit mit meinen Besten verbringen würde, wüssten sie automatisch, dass etwas nicht stimmt, und sie würden die richtigen Fragen stellen, was dazu führen würde, dass alle meine Mauern einbrechen würden.

Ich glaube, ich will hier einen kurzen Vergleich anstellen. Dieser ganze Ablauf fühlt sich ein bisschen an, wie exzessives Trinken von Alkohol, oder Drogen nehmen. An dem Tag, an dem man es tut, fühlt man sich, als könnte man es mit der ganzen Welt aufnehmen, als könnte einen nichts aufhalten, als sei alles gut. Aber am Tag danach fühlt man sich, als möchte man nur noch brechen, schlafen und sich vor eben jener Welt verstecken.

Das ist, was meine Monster mit mir tun. Sie lassen mich zunächst für ein, zwei Tage glauben, dass mich nichts aufhalten kann, dass nichts so schlimm ist, wie es sich eigentlich anfühlt. Doch sobald sie ihr wahres Gesicht zeigen, ist es wie ein Schlag in die Fresse. So richtig. So intensiv, dass ich mich danach wie benommen fühle.

Ich fühle mich, als hätte ich keine Kontrolle mehr, keinen Einfluss auf das, was passiert. Und das ist der Gedanke, der sich wie eine Schlinge um meinen Hals legt, mich langsam würgt, bis ich nicht mehr Atmen kann. Das ist der Moment, wenn die abstrakte Angst vor dem großen schwarzen Nichts, dem Tod, aber mehr noch, der Unabdingbarkeit des Lebens, Einzug hält. Und ich fürchte mich so sehr vor den Dingen, die ich nicht ändern kann, dass ich Probleme habe, meine Augen zu schließen, weil ich dann panisch werde.

Das Schlimmste ist, wenn sich diese Angst auf Menschen bezieht.
Was, wenn sie von heute auf morgen verschwinden?
Was, wenn ich mich für immer verabschieden muss?
Wie soll ich das überleben?

Die Antwort ist vernarbt. Ich werde es überleben, mit Narben, verletzt, aber ich werde es überleben!
Weil ich vor langer Zeit lernen musste, dass Menschen einen immer verlassen. Es gibt keine Ausnahmen. Nicht eine einzige. Und auch, wenn ich bereits verlassen wurde, und das Wissen habe, dass alles ein Ende haben muss, tut dieser Gedanke so weh, bringt er mich dazu, all diese schlimme Dinge zu fühlen…

Und um mit einem meiner Lieblingszitaten zu enden:

“That’s life. If nothing else, it’s life. It’s real, and sometimes it fucking hurts, but it’s sort of all we have.”

Oder nicht?


Dienstag, 23. Oktober 2018

Ich weiß immer noch nicht, wie ich das, was in den letzten 24 Stunden passiert ist, in Worte fassen soll. Ich bin zu dem ein oder anderen Fazit gekommen, und ich versuche immer noch, es zu verarbeiten. Gelingt mir nicht wirklich gut bisher. Ich fühle mich, als könnte ich mich unentwegt übergeben; mein Körper kämpft gegen das an, was die Monster ihm versuchen zu sagen. Mein Herz ist gebrochen, und doch fühlt es sich als, als wäre es schon immer so, oder als hätte es sich schon immer auf diesen Moment vorbereitet. Mehr noch, als würde es sich in Zukunft immer so anfühlen.

Durch Zufall habe ich gestern ein Gespräch mit jemanden geführt, den ich schon seit Jahren kenne. Jemand, der mich aufwachsen gesehen hat, der mich meine Kriege alleine führen gesehen hat, jemand, der mich überleben gesehen hat. Jemand, der mir stets zur Seite stand. Und genau, wie ich es gesagt hatte… jene Menschen wissen genug, wie sie dich triggern können. Wundert mich also weniger, dass ich eine ganze Weile am Weinen war. Die Feststellung, zu der ich gekommen bin, ging mir schon eine ganze Weile durch den Kopf. Ich wusste das, ich wusste, dass sie die ganze Zeit schon dort war, und doch hatte ich sie nicht laut ausgesprochen.

Doch als ich es schließlich getan habe, hat es mich unfassbar getroffen. Und ich muss es immer noch verarbeiten.

Das ist alles, was ich dazu sagen möchte, und ich versichere Euch, das ist alles, was ich dazu sagen werde.


Mittwoch, 24 Oktober 2018

Das ist es also, das Ende der Challenge.

Ich habe mir gerade die Zeit genommen, um alle Texte noch einmal zu lesen, und ich merke, dass mein Kopf dicht macht. Er will nicht schon wieder damit konfrontiert werden, da er noch an den letzten Tagen zu schlucken hat. Ich denke immer noch viel drüber nach, überanalysiere. Ich fühle mich auch immer noch taub. Versuche, die Schmerzen auszuhalten.

Aber ich will trotzdem versuchen, über die Challenge selbst zu sprechen. Der erste, und vermutlich erstaunlichste, Punkt ist, dass ich alle Texte in Englisch geschrieben habe, und nicht in meiner Muttersprache. Darüber hinaus habe ich es wirklich durchgezogen, und jeden Tag geschrieben, auch wenn ich mich manchmal überhaupt nicht danach gefühlt habe. Ich musste feststellen, dass man sich ziemlich schnell ablenken lässt, vor allem in der heutigen Zeit mit Smartphones, Video on Demand und all so Kram.
Nichtsdestotrotz, ich habe es geschafft.
Eine weitere Sache, die mich recht überrascht hat, war, wie sehr ich die Handlungen meiner Monster vorausahnen kann… und wie gut ich sie ignorieren kann. Das ist mit ein Grund, wieso ich entschieden habe, ihnen wieder mehr zuzuhören, und immer mal wieder einen Mental Health Day einzulegen, um besser mit ihnen klarzukommen.

Zu guter Letzt möchte ich zu einer der ersten Fragen zurückkommen. Habe ich meine Texte überarbeitet? Nein, habe ich nicht. Hätte ich es tun sollen? Ehrlich gesagt nein. Das ist, wie ich arbeite, das ist, wie ich schreibe… es wäre nicht mehr ich, wenn ich meine Worte hinterher austausche, denn das ist, wie ich mich in der jeweiligen Situation gefühlt habe.

Habe ich Angst vor der – Eurer – Reaktion auf diesen Text? Oh ja…
Dennoch würde ich es zu schätzen wissen, wenn ihr etwas loswerden möchtet, nachdem ihr es durch dieses Wortchaos geschafft habt.

In monsterly love,
L.

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