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Dave Matthews Band.
Dave Matthews.
Dave.

Ich hab schon etliche Texte darüber geschrieben, welche Gefühle Musik in mir auslösen kann, aber wenn es dann tatsächlich wieder passiert, ist es jedes Mal erneut unglaublich. Und obwohl ich schon so viele, unterschiedliche Konzerte besucht habe, sind solche Abende wie gestern absolute Seltenheit. Grund genug, sie aufzuschreiben und noch einmal zu erleben.

Als ich 2010 niemanden dafür begeistern konnte, mich zu einem der vier Konzerte von Dave Matthews Band zu begleiten, war meine Enttäuschung riesig. Ich konnte nicht verstehen, dass eine Band, die Musik nicht nur spielt, sondern meines Erachtens zaubert, in meinem Freundeskreis so wenig Anklang fand, um sie live sehen zu wollen. Und die Vorstellung, alleine auf ein Konzert zu gehen, war damals für mich nicht wirklich reizend. So etwas will man doch gemeinsam mit  anderen erleben, man will, dass so ein Erlebnis Menschen miteinander verbindet. Damals, im Januar, beschloss ich: Das nächste Mal geh ich hin, ganz egal wie!

Fünf Jahre sollte meine Geduld auf die Probe gestellt werden, aber dann war es so weit: Soziale Netzwerke verbreiteten die Nachricht, und als ich den Termin für Frankfurt gesehen hatte, konnte ich mein Glück kaum fassen. Diesmal ließ ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen – ich kaufte zwei Karten. Jetzt trennten mich nur noch knappe sechs Monate von einem Abend, den sich kein Autor, kein Filmemacher besser hätte ausdenken können.

Ich kann nicht sagen, wann ich das letzte Mal vor einem Konzert so aufgeregt war. Ich konnte nicht schlafen, konnte kaum essen und gegen 12 Uhr mittags hatte ich das Gefühl, dass sich mir der Magen umdreht. Doch ehe ich mich versah, stand ich um halb 7 im Kuppelsaal der Jahrhunderthalle in Frankfurt, vielleicht fünf, höchstens aber sechs Meter von der Bühne entfernt, in mitten von hunderten Menschen, und versuchte meine Aufregung zu verbergen. Ich glaube jedoch nicht, dass mir das wirklich gut gelang. Dann endlich, pünktlich um halb 8, ging die Beleuchtung aus. Scheinwerferlicht tauchte das Schlagzeug in weiches, blaues Licht und man konnte die Spannung in der Luft förmlich greifen.

Und dann stand er auf der Bühne, in schwarz, mit seiner Akustikgitarre, mit seiner Band…

Was soll ich sagen, es war vom ersten Takt an unglaublich. Es war schön, es war zauberhaft, es war leicht. Es ging direkt mitten ins Herz. Ich stand da, starrte gebannt auf die Bühne, saugte den Moment förmlich in mir auf. Vor lauter Aufregung, waren meine Hände schweißnass, mir lief es eiskalt den Rücken runter und ich war einfach nur beeindruckt. Unfassbar beeindruckt. Und als Dave schließlich anfing zu singen, kullerten die ersten Tränen.
Ich stand in dieser Halle, fünf Jahre nachdem ich so bitter enttäuscht worden war – vor allem von mir selbst –, und lauschte den Rhythmen des Schlagzeuges, dem Zauber der Geige und der Melodie der Akustikgitarre… und ich weinte vor Glück.
Als sie dann, ungefähr in der Mitte des Sets, den Song spielten, der für mich so viel mehr ist, als nur ein Lied, war das Gefühlschaos perfekt. Ganz ohne Ankündigung, ohne großen Aufriss, spielten sie Crash into me.
Mir pochte das Herz bis zum Hals, meine Knie zitterten, und die nächsten Glückstränen lösten sich.
In diesem Moment der Leichtigkeit war ich nicht mit all den anderen Menschen in der Halle.
In diesem Augenblick gab es nur die Band, diesen einen Song und mich.

Nach drei wundervollen Stunden hatte ich die volle Bandbreite an Gefühlen hinter mir, war emotional aufgewühlt und sprachlos. Dieser Abend war mehr, als ich es mir hätte erträumen können. Er war wundervoll, atemberaubend, einzigartig…
Dass ich all das aber mit meinem Vater teilen durfte, der Musik ebenso zu schätzen weiß, ist wohl das größte Geschenk, und es macht den Abend zu dem, was er für mich immer sein wird:

Mein perfektes Konzerterlebnis!

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